Dusty

(geb. 10/90, Ginas Tochter)

Die Herausforderung – von Geburt an immer wieder für eine Überraschung gut… Dusty hat von ihrer Mutter die Größe und den hübschen Kopf geerbt, ist aber vom Verhalten her oft ganz anders. Bereits als Saugfohlen schien sie Aufwand und Nutzen für eine Sache genau abzuwägen. Sie bediente sich an Arizonas Kraftfutterportionen, während die große Hannoveranerstute massiv mit den Hinterbeinen drohte und in die Luft biss. Aber sie tat ihr niemals etwas und Dusty lernte schnell. Gut, dass wenigstens Gina ihre Tochter konsequent zurecht wies – auch wenn das bedeutete, dass sie ihr immer wieder mal ein Stück Fell heraus biss…

Dusty war eine – damals für mich schwer einzuschätzende – Mischung aus „hochexplosiv“ mit „Total-Aussetzern“ auf der einen und extremer „Dickfelligkeit“ und Unerschrockenheit auf der anderen Seite. Mit diesem reaktionsschnellen und gleichzeitig unsicheren Pferd war ich überfordert: der erste Einreit-Versuch endete mit einer ausgekugelten Schulter (bei mir). Sie reagierte sehr verunsichert und wurde „schwierig“, wenn sie nicht ständig klare Grenzen gesetzt bekam. Dank Dusty lernte ich ab 1996 Ausbilder kennen, die überwiegend nach den Prinzipien des „Natural Horsemanship“ arbeiteten. Unsere Kommunikation verbesserte sich rasant – wir lernten, gegenseitig unsere Körpersprache zu „lesen“. Je mehr wir einander verstanden, desto mehr vertrauten wir uns – endlich konnte ich auch bei Dusty gezielt die richtigen „Knöpfe drücken“!

Mittlerweile ist sie ein unkompliziertes, freundliches Pferd, das nur noch ganz selten Ansätze ihrer früheren „Aussetzer“ zeigt. So läuft sie beispielsweise manchmal auf der Weide oder im Auslauf stundenlang wie in Trance am Zaun hin und her – ähnlich dem Weben von Boxenpferden. Für ein im Offenstall aufgewachsenes Pferd sicher ungewöhnlich. Sie erinnert mich immer wieder daran, dass es keine Patentrezepte gibt und jedes Pferd eine ganz eigene Persönlichkeit ist.

Für Dusty bedeutet die offene Tür zur Futterkammer grundsätzlich „Bahn frei“, wenn ich nicht in der Nähe bin. Sie steht dann nur noch mit den Hinterbeinen im Stall, blockiert die Tür und zupft an den Heuballen herum. Sobald sie „erwischt“ wird, marschiert sie seelenruhig auf das Kommando „zurück“ rückwärts auf mich zu und kaut zufrieden. Sie ist ein Pferd, das mitdenkt: wenn ich die Weide abäppel, ist es für sie selbstverständlich, direkt zur Schubkarre zu marschieren und noch einen Haufen daneben zu setzen - zugegeben: das ist ausbaufähig… ;o)

Ihre Hufe waren von Geburt an prima, hatten einen super ausgebildeten Strahl und eine feste Hornqualität. Wie ihre Mutter hatte sie allerdings die Veranlagung zum metabolischen Syndrom und war ebenfalls jahrelang zu dick. Ende Dezember 2006 verrenkte sie sich den Rücken (Kreuz-Darmbein) und wurde daher im Januar 2007 nicht geritten. Als sie sich Anfang Februar erneut an der gleichen Stelle verrenkte, brach nach einer weiteren Ruhepause auch bei Dusty Hufrehe aus. Dies erkannte ich allerdings nicht gleich, da der klamme Gang der gleiche war, den sie aufgrund ihrer Rückenprobleme zeigte. Aber am Rücken war nichts mehr zu finden, das eine so starke Lahmheit erklärt hätte…

Fazit nach Auswertung der Blutbilder (sh. „Gina“): auch Dusty hatte ich über lange Zeit systematisch krank gefüttert. Sie hatte die gleichen Fettdepots in Hals, Bauch und Kruppe und die wochenlange Bewegungspause gab ihr den Rest. Sie bekam das gleiche Programm wie ihre Mutter verordnet: reduziertes Futter in vielen kleinen Portionen und lange Spaziergänge im Schritt.

Genau wie Gina braucht auch Dusty vermutlich lebenslang angepasstes Futter und viel Bewegung, damit sie keinen Rückfall bekommt. Ich versuche, jede unnötige Stoffwechselbelastung zu vermeiden. Futterumstellungen im Frühjahr und Herbst erfolgen über ca. sechs Wochen. In dieser Zeit vermeide ich Wurmkuren und Impfungen.

Grundsätzlich bin ich auch bei Empfehlungen von „Naturheilmitteln“ sehr vorsichtig: so soll beispielsweise Süßholzpulver bei Headshakern eine positive Wirkung haben – Diabetikern wird jedoch von der Einnahme abgeraten. Bekannte geben ihrem Pferd mit EMS-Veranlagung Mönchspfeffer ins Futter, da dies „den gestörten Hormonhaushalt regulieren“ würde. Solange mein Rezept „laufen, laufen, laufen“ weiterhin so gut funktioniert, notiere ich mir solche Tipps, probiere sie aber nicht aus. Keine Gefahr sehe ich darin, bei Verletzungen, Entzündungen oder Hufgeschwüren auf Homöopathie/Globuli (z. B. Arnika C30) zurück zu greifen. Bei der Fütterung gebe ich nach Möglichkeit Naturbelassenes: Gras, Heu, Hafer, etwas Öl… Mineralfutter bekommen meine Pferde nicht ganzjährig, sondern mit mehrwöchigen Pausen. Überversorgungen können so immer wieder abgebaut werden, ein dauerhafter Mangel jedoch nicht entstehen – so meine Auffassung. Jeder sollte bei der Versorgung seines Pferdes seinem ganz persönlichen „Bauchgefühl“ und seinen Erfahrungen folgen und die Verantwortung für sein Tier niemals ganz an Dritte abgeben. Für mich sind gerade die Menschen am vertrauenswürdigsten, die zugeben, dass sie nicht alles wissen!


Katrin Krug * 31655 Stadthagen * 0176 – 78 45 68 25 (evtl. SMS wegen Funkloch)

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