Haltungs-Check
Wenn wir fragen „Und wo STEHT dein Pferd?“,
dann LÄUFT da doch etwas falsch…
Pferde sind Lauftiere und gehören nicht dauerhaft in eine Kiste („Box“). Auch Pferde, die jeden Tag 4 Stunden Auslauf haben, verbringen noch 20 Stunden auf einer Fläche von ca. 10 qm. Kaum ein Pferd äppelt und uriniert nur in eine kleine Ecke und weicht seinen Fäkalien in dieser langen Zeit konsequent aus.
Auf einen Monat hochgerechnet verbringt ein so gehaltenes Pferd also 600 Stunden auf einem Misthaufen und 120 Stunden außerhalb. Und dabei gehört eine Pferdehaltung mit mehreren Stunden Auslauf täglich noch zu den „besseren“ Angeboten…
Wenn du also bis jetzt der Meinung bist, dass dein Pferd „von Natur aus“ so „schlechte“ Hufe hat, dass es ohne Hufschutz nicht auf hartem Boden laufen kann, dann nimm dir doch einmal ein paar Minuten Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme:
Wieviele Stunden im Monat STEHT dein Pferd auf Stroh, Spänen, Gras, Sand, Beton, Gummimatten, Hackschnitzeln, Matsch, Schotter oder…?
Wieviele Stunden im Monat LÄUFT dein Pferd barhuf auf Sand, Gras, Beton, Schotter, Matsch oder…?
In diesem Monat sind die Hufe deines Pferdes um ca. 1 cm gewachsen. Je intensiver der Abrieb war, desto stabileres Horn hat dein Pferd in dieser Zeit nachproduziert. Das heißt, dass beispielsweise eine Haltungsumstellung von der Box in einen sauberen Offenstall an den Hufen leider erst nach 6-10 Monaten zu spürbaren Verbesserungen führt. (Umgekehrt zersetzt sich das auch das beste Hufhorn in Matrazenstreu deutlich schneller…)
Du hast keinen gut geführten Offenstall in der Nähe? Dein Pferd lebt bereits in einem Offenstall, aber die Hufe sind trotzdem nicht so belastbar, dass ihr wirklich Spaß am Barhuf-Reiten habt?
Vielleicht helfen dir die folgenden Tipps ein wenig. Auch kleine Veränderungen können auf Dauer eine ganze Menge bewirken!
Prima für belastbare Barhufe |
So bitte nicht! |
Stall und Auslauf sauber halten |
Daueraufenthalt in Matsch mit Kot |
| „Fußbäder“ in sauberem Wasser oder nassem Lehm | Einweichen in uringetränkter Einstreu |
Laufen auf festem Boden: |
stark „bröckelnde“ oder schmerzende Hufe auf spitzen Steinen, verbogene, schiefe Hufe ignorieren |
Bewegungsanreize schaffen: |
kranke Pferde mit starken Schmerzen von der Herde jagen lassen |
| lange Spaziergänge und Ausritte auf unterschiedlichen Böden | Überforderung durch Ausnutzen des Herdentriebs beim Ausreiten |
regelmäßige an den Abrieb angepasste Hufpflege, so wenig wie möglich, soviel wie nötig |
radikale Korrekturen, intensives „In-Form-Schneiden“, zu lange Bearbeitungsintervalle bei ungleichmäßigem Abrieb |
bei „fühligen“ Hufen zum Ausreiten Hufschuhe verwenden, Ursache heraus finden und nach Möglichkeit abstellen |
auf Ausritte verzichten, nur noch auf dem Platz oder in der Halle reiten |
ausgewogene Fütterung auf Raufutterbasis, möglichst lange Fresszeiten, |
Unterversorgung mit Raufutter, |
Kontrolle durch Physiotherapeuten |
ungleichmäßigem Abrieb und Gangprobleme ignorieren |
| regelmäßige Zahnkontrolle | Probleme beim Fressen und Verdauen ignorieren |
viel Abwechslung bieten, |
ungeduldig werden, (Moment mal - meine Co-Autorin möchte jetzt sofort nach draußen…) |
* Hufe sind extrem stoffwechselaktiv. So wie bei Menschen die Einnahme von Medikamenten/Drogen in den Haaren nachgewiesen werden kann, können wir an Pferdehufen Krankheiten und Störungen des Stoffwechsels oft regelrecht „ablesen“.
Gesunde aktive Pferde haben normalerweise keine Probleme, ausnahmsweise mal notwendig gewordene Medikamente zu vertragen. Wenn dein Pferd jedoch durch stumpfes Fell, schlechte Hufhornqualität oder Verdauungsprobleme bereits signalisiert, dass etwas nicht stimmt, kann eine „Ladung Chemie“ zum falschen Zeitpunkt ein Risiko sein.
Da viele Tierärzte heute sehr offen gegenüber ihren Kunden sind, solltest du deine Bedenken ruhig äußern und dich beraten lassen.

Katrin Krug * 31655 Stadthagen * 0176 – 78 45 68 25 (evtl. SMS wegen Funkloch)
